ÖV-Anekdötli
Ich behaupte, dass so mancher Menschengruppe mit ganz simplen Mitteln, der Verstand ausgeschaltet werden kann - sofern ein solcher natürlich vorhanden sein sollte....
Mitten im schönsten, heissen Samstagnachmittag zieht es die ersten Wandervögel, Ausflügler und sonstigen Sonnenfetischisten bereits wieder nach Hause - mich eingeschlossen. Der Kluge reist im Zuge. Der Zug kann jedoch nicht aus dem Bahnhof fahren. Personenunfall, heisst es. Wir verlassen den Zug via Perron.
Erste Aufregung macht sich breit. Während sich die BLS-Mitarbeiter (ziemlich sicher) den Arsch aufreissen, einen Bahnersatzbus zu organisieren, machen sich die meisten lautstark über die zeitliche Verzögerung ihrer Grillparty, dem wahrscheinlich verpassten Flug in Genf oder sonst einfach über das heisse Wetter bemerkbar - auch bei den BLS/SBB-Mitarbeitern.
Nach schätzungsweise nicht mal einer halben Stunde trifft ein Bus ein. "Bahnersatz" ist auf der Stirnseite zu lesen. Was dann zu beobachten ist, kommt mir vor als ob hunderten von Leuten gleichzeitig ins Hirn gesch***en worden wäre, oder als ob urplötzlich ein Tsunami aus dem einem der umliegenden Tälern auf uns zukommen würde. Die Leute rennen durcheinander auf den Bus los - sogar auf die Strasse, was erst verhindert, dass der Bus überhaupt an den Steig fahren kann. Geeeits?
Es sind wahrscheinlich an die 300 Leute, aber erstmal ist "nur" ein Bus da (ist ja klar, in so kurzer Zeit). Der Bus ist in wenigen Minuten randvoll (für Leser mit Reiseerfahrung in Lateinamerika: Der Bus war knapp voll).
Zwei französischen Reisenden, die laut fluchend ihre Koffer mehrere Male gegen den Bussteig schmettern, erkläre ich mit Händen und Füssen, dass es waaaaaahrscheinlich nicht der einzige Bus sein werde, der uns aus dieser lebensbedrohlichen Situation bringen könne. Der Flughafen Guääträä läuft nicht davon, mon cher.
Mit jedem (!) weiteren Bus wiederholt sich das (Schau-) Spiel und nebst dem, dass ich hin-und-hergezogen bin zwischen Faszination und einem ausgiebigen Auswerfen, macht sich immer mehr Unverständnis breit. Selbst ältere Leute verfügen heutzutage über ein Mobiltelefon, um allenfalls Freunde zu benachrichtigen, dass sie später zum Zvieri erscheinen werden. Und den nächsten Flieger zu nehmen, war aus eigener Erfahrung auch schon vor 10 Jahren nicht ein gigantisches Problem, mes amis. Und da war ich 16.
Ich erscheine mit einer absolut sagenhaften, inakzeptablen (Ironie, gell?) Verspätung von 30 Minuten bei meiner Verabredung.
Dass sich seit Beginn (und als Ursache) dieser Eregnisse gleich zwei Menschen weniger um solche Lappalien kümmern müssen (...), daran hat niemand gedacht. Das gibt mir zu denken. Dummer Mensch.
